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"La dolce Vita" oder: Raus aus der Komfortzone...

Foto: Copyright: Alexas_Fotos - pixabay.com
POS Kompakt 04/2017

Der Wecker klingelt wie jeden Morgen um halb sieben. Aufstehen, Anziehen, Frühstücken, Zähneputzen, die Kinder zur Schule bringen. Routine, die Timings und Abläufe passen. Alles hocheffi zient. So wünscht man sich das auch im Geschäft. Doch je mehr Projekte, je mehr Schnittstellen, je mehr Regeln, desto größer wird die Verwirrung. Missverständnisse schleichen sich ein, Besprechungen werden einberufen. Die Effi zienz sinkt, Frust macht sich breit. Woran liegt das? Vielleicht, weil der gutgemeinte Wunsch „Bleib so, wie Du bist“ eher Fluch als Segen ist? Charles Darwin hat es mit seiner These auf den Punkt gebracht: „Nicht der Stärkste und Klügste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten auf Veränderung einstellen kann.“

Verändern sich die Umstände, die Rahmenbedingungen, dann müssen wir uns anpassen, wir müssen uns selbst verändern. Wir müssen uns weiter entwickeln. Aber warum tun wir uns mit Veränderung so schwer? Weil Veränderung Anstrengung bedeutet. Veränderung bedeutet immer, sich aus den gewohnten Abläufen zu bewegen, Dinge anders zu tun. Dabei schwingt immer die Angst mit, Fehler zu machen, langsamer, weniger effizient zu werden. Und dabei verschwenden wir das Wertvollste, das wir haben: unsere Zeit. Veränderung an sich ist kein Wert. Sie ist nur sinnvoll, wenn durch die Veränderung sich nachhaltig Verbesserung einstellt. Nur: das kann einem keiner garantieren. Es braucht also mutige Menschen, die eine Vorstellung davon haben, was verbessert werden soll und wie diese Verbesserung vonstatten gehen soll. Neue Wege müssen beschritten werden, denn wer immer den gleichen Trampelpfad benutzt, der wird auch immer am gleichen Ziel ankommen.

Gesucht sind also Pioniere, Pfadfinder, Abenteurer, Unerschrockene, Selbstbewusste und Unzufriedene. Je unzufriedener, desto besser. Denn je größer der Schmerz im alten System ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich überhaupt auf die Reise macht. Amerika wäre wahrscheinlich nie besiedelt worden, wenn Europa zwischen dem 14. Und dem 19. Jahrhundert ein friedfertiger und wohlhabender Kontinent gewesen wäre. Doch Unzufriedenheit allein reicht auch nicht, noch wichtiger ist Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, andere auf die Reise mitzunehmen. Antoine de Saint-Exupery hat es wie folgt formuliert: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Wird die Sehnsucht – die Vision – nicht vermittelt und vor allem verstanden, ist der Wunsch nach Veränderung zum Scheitern verurteilt. Dummerweise haben aber nicht alle Menschen, mit denen man zusammen arbeitet, die gleichen Sehnsüchte und Wünsche. Auch empfinden viele gar nicht die Unzufriedenheit, die der Motor für Veränderung ist. Oftmals werden auch die Ursachen für die Unzufriedenheit mit der Wirkung verwechselt. Für Veränderung braucht es also den Auslöser, ein Ziel, die Menschen und optimalerweise einen Weg bzw. eine Methode, um den neuen angestrebten Zustand zu erreichen. An Methoden mangelt es dabei nicht. Googelt man den Begriff „Change Management“, bekommt man 163 Millionen Treffer, bei Amazon findet man über 80.000 Bücher zu dem Thema.

Interessanterweise ist der Begriff Change-Management stark mit großen, etablierten Unternehmen verbunden. Oder haben Sie schon einmal von einem Startup gehört, dass einen Change-Manager beschäftigt? Dies liegt wohl darin begründet, dass sich Startups nicht mit Prozessen und deren Optimierung beschäftigen sondern sich ausschließlich auf die Umsetzung ihres originären Ziels konzentrieren. Jeff Bezos von Amazon bringt dies seit Gründung des Unternehmens immer wieder auf denselben Nenner: „Jeder Tag ist „Tag 1“. Bekämpfe den „Tag 2“. Tag zwei ist Stillstand, gefolgt von Irrelevanz. Darauf folgt ein qualvoller, schmerzlicher Niedergang. Darauf folgt der Tod. Und darum ist jeder Tag „Tag 1“.

Heißt dies, dass es in „Tag 1“-Unternehmen keine Prozesse gibt? Natürlich nicht! Nur müssen die Prozesse dem Zweck dienen und nicht selbst der Zweck sein. Das ist leichter gesagt als getan. Auf der einen Seite bietet der etablierte Prozess die Sicherheit und Effizienz die wir uns wünschen, auf der anderen Seite muss die Kultur des Unternehmens jederzeit die Anpassung der Abläufe und Strukturen ermöglichen, damit sich das gesamte Unternehmen auf die Erfüllung seiner ureigensten Aufgaben konzentrieren kann. Hierbei können agile Methoden helfen. Eine der einfachsten, aber auch wirkungsvollsten agilen Methoden ist „KANBAN“. In der Fertigung wird KANBAN seit 1947 eingesetzt. Seit 2005 wird das Kartensystem verstärkt für die Wissensarbeit eingesetzt. Aufgaben werden auf Karten geschrieben und an einer Tafel in die drei Rubriken „To do“, „in Arbeit“ und „erledigt“ eingeordnet. Durch diese einfache Methode haben alle Team-Mitgliedern einen vollständigen Überblick über den aktuellen Status des Projekts. Ändern sich die Anforderungen oder kommen neue Aufgaben hinzu, werden einfach weitere Karten geschrieben. Klingt einfach? Ist es auch! Und dazu noch sehr effizient. Der schwierigste Teil der Veränderung ist jedoch, aus der Phase der Unsicherheit und des Experimentierens wieder zu einem effizienten und routinierten Handeln auf höherem Niveau zu gelangen. Dafür brauchen Sie Zeit und Übung. Denn nur aus Übung wird Können. Allerdings wird Können oft mit Wissen verwechselt, aber „Wissen“ heißt nicht „Können“.

Stellt sich zum Schluss noch die Frage: Muss sich die POS-Branche verändern? Müssen wir uns weiterentwickeln? Welche Veränderungen gibt es, die uns aus der Komfortzone treiben sollten und was ist überhaupt unsere Komfort-Zone? Welchen Einfluss haben Verdrängungswettbewerb, Disruption, Digitalisierung, Automatisierung, schrumpfende Bevölkerung, Single Haushalte, Mobilität und die vielen anderen Mega- und Microtrends auf unser Geschäft? Fragen, die ich mir bei meinem nächsten Einkauf wieder stellen werde.. In diesem Sinne: Happy Shopping!

Oliver Voßhenrich, Geschäftsführer und Category Manager, POS TUNING

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